Videocontent selbst produzieren und mehrfach nutzen

Projektstatus

Planung
80%
Durchführung
60%
Dokumentation
60%

Hintergrund

Die Metallfirma umetec GmbH sitzt im Norden Berlins in der Stadt Eberswalde und beschäftigt ca. 50 Mitarbeiter:innen. Als Komplettanbieter plant, fertigt und montiert umetec individuelle Lösungen aus Metall für verschiedenste Kunden in Kleinserie oder Losgröße 1.

Die Kundschaft von umetec unterteilt sich in Großkunden (Automobil- und Fahrzeugbranche, Mobilitäts- und Logistikunternehmen sowie Windkraft- und Solarindustrie) und Drittkunden (andere Unternehmen, Privatpersonen, Vereine). Die Produkte sind sehr vielfältig und individuell, es werden zum Großteil Metallkomponenten und Spezialbauteile auf der Basis von Dünn- und Dickblechen gefertigt – im Drittkundenbereich sind es mitunter auch größere Spezialaufträge wie z.B. Tore und Carports. Im Planungsbereich und in der Herstellung wird mit moderner Technologie gearbeitet z.B. mit zwei Lasern sowie zwei Abkantpressen der Firma Trumpf, einen Schweißroboter und einem Profilbearbeitungszentrum.

"Videocontent ist modern und ansprechend, damit identifizieren wir uns. Bei umetec wollen wir das nutzen, um den Beschäftigten Wissen einfacher zu vermitteln und gleichzeitig unserer Kundschaft zu zeigen, was wir alles können." 

Alexandra Walter (Geschäftsführerin)

Herausforderung

Das Unternehmen hat, ganz branchentypisch, verschiedene Herausforderungen im Produktionsalltag: Effiziente Prozesse bei individualisierter Fertigung, hoher Vertriebsaufwand im B2B-Geschäft oder zielorientiertes Wissensmanagement im hektischen Arbeitsalltag. Umetec organisiert einzelne Projekte, die bspw. die Digitalisierung der Fertigung voranbringen. Durch die Installation von Betriebsterminals können Auftragsdaten künftig digital und in Echtzeit erfasst werden. Auch in digitale Automatisierungslösungen wird investiert. So wird u.a. der neue Schweißroboter den Fertigungsprozess wandeln. Darüber hinaus lebt das Unternehmen einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, in dem bestehende Abläufe stetig in Frage gestellt und optimiert werden. Neben den internen Prozessen soll auch die Außenkommunikation durch Maßnahmen des Content Marketing digitaler werden.

Lösung

Im Gespräch mit der HNE wurde deutlich, dass das Unternehmen schlanke Lösungen für seine Wissensorganisation, das Onboarding neuer Beschäftigter, die Prozessoptimierung und auch die Außenkommunikation sucht. So entstand die Idee, mit Hilfe von Videocontent „mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“. Eigens produzierte Videosequenzen könnten, in unterschiedlicher Zusammensetzung zu Kurzclips verarbeitet werden, die in mehreren Bereichen zum Einsatz kommen können. Die Produktion von Videocontent ist heute mit sehr einfachen und kostengünstigen technischen Mitteln umzusetzen und leicht zu erlernen. Der Einsatz und die Nutzung von Videos können zur Verbesserung der internen und externen Kommunikation beitragen.

Umsetzung

Die Umsetzung erfolgte in mehreren Schritten: Zunächst wurde ein kleines und motiviertes Projektteam aus verschiedenen Abteilungen gegründet, das möglichst diverse Perspektiven aus dem Unternehmen vereint. Dieses Projektteam erarbeitet den Projektplan, führt eine Potentialanalyse für den Einsatz von Videos im Unternehmen durch und entwickelt konkrete Ideen für Videocontent. Diese Ideen werden gemeinsam geplant, gedreht, geschnitten, vertont und vor dem Einsatz getestet. Das Projektteam wird durch das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Cottbus didaktisch, pragmatisch und wissenschaftlich begleitet und so durch agile Methoden in Projektentwicklung und –management sowie in der Planung, Produktion und dem Einsatz von Videocontent geschult.

Sehen Sie hier einen Artikel der umetec GmbH Stahlbau zum Projekt. 

Das Projekt als Tagebuch

  • (Juli 2021): Teamgründung und Projektplanung

    Zu Beginn des Projektes suchte die Geschäftsführerin der umetec GmbH Alexandra Walter interessierte Mitarbeiter:innen des Unternehmens, die möglichst unterschiedliche Perspektiven in das Projekt einbringen können. Dabei sind vier Personen aus Verwaltung/Vertrieb, Arbeitsvorbereitung / Techn. Zeichnung, Fertigung (Schweißen/Fügetechnik) sowie der Geschäftsleitung. Die Diversität der persönlichen Hintergründe und Erfahrung im Unternehmen, der Blick von Aussen sowie die Einblicke aus verschiedenen „Hierarchie“-stufen (von Ausbildungserfahrung bis Leitung) sind besonders wertvoll, da das Projekt das Ziel verfolgt, Videos in unterschiedlichen Kontexten zur Anwendung zu bringen.

    Die gemeinsame Erstellung des Projektplans sieht vor die Potentiale verschiedener Anwendungsszenarien zu analysieren, ein Konzept für die einzelnen Szenarien zu formulieren, daraufhin Videos konkret zu planen, zu produzieren und sie in der Anwendung zu testen.
  • (August 2021): Potentialanalyse und Konzeption

    Das Team begann, unter Begleitung der HNE, mit einer Potentialanalyse, bei der durch verschiedene Methoden (Brainwriting, Nutzerinterviews & Auswertung, Priorisierung) ein Verständnis für die Einsatzmöglichkeiten von Videocontent in ihrem Unternehmen entwickelt wurde. Die HNE fasste die Ergebnisse in einem Konzept zusammen und ergänzte diese um Empfehlungen für das Unternehmen auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und aktueller Trends. Das Konzept beinhaltete zudem Ideen für mögliche Videosequenzen und Einsatzbereiche. Basierend auf den erarbeiteten Einsatzmöglichkeiten, entschied sich das Projektteam für Videosequenzen, die als erste Prototypen dienen sollten. Der Fokus lag dabei sowohl auf einer smarten Mehrfachnutzung von Videomaterial, dem tatsächlichen Einsatz im Unternehmensalltag sowie auf der Lernkurve des Projektteams im Hinblick auf das Filmen selbst.

    Die nächsten Schritte sind der Dreh von Videosequenzen für ein untertiteltes zur Erfassung des Fertigungsstatus durch Maschinenbearbeiter:innen. Weitere Filme wie z.B. der Weg eines typischen Produktes durchs gesamte Unternehmen für die Außenkommunikation und das Einlernen von Neulingen sind in Planung. Ebenfalls soll es Testworkshops mit den Beschäftigten und Testkund:innen geben.
  • (Dezember 2021 / Januar 2022): Videoproduktion (Planung, Dreh und Bearbeitung)

    Die Entscheidung für den ersten Film, der entstehen sollte, war eine pragmatische: Zukünftig sollen auch alle Beschäftigten der Produktion das ERP-System nutzen und für jeden Auftrag einen (Teil-)Fertigungsstatus an einem Terminal melden. Um die Fehlerquote bei den Eingaben und den Schulungsaufwand zu reduzieren, sollte ein Erklärfilm entstehen, die alle Bereiche in der Fertigung abdeckt. Zudem war eine Untertitelung gewünscht, um polnischsprachige Beschäftigte in ihrer Landessprache ansprechen zu können.

    Gemeinsam mit der HNE wurde die Technik- und Drehplanung umgesetzt. Das Team entschied sich für die Nutzung eines Apple IPads mit flexiblem Stativ samt einer Plug-in Lösung für den Ton. Der Grund dafür war u.a. die leichte Bedienbarkeit der Schnittsoftware für Einsteiger:innen; zudem war im Unternehmen bereits ein entsprechendes Tablet vorhanden. Bei einem Techniktest probierte sich das Projektteam an einem kleinen Übungsfilm und filmte eine HNE-Mitarbeiterin beim Anzünden von (Wunder-)kerzen. Schnell wurden viele Tricks und Kniffe deutlich z.B. welche Einstellungen und Bildfolgen ein Video interessant machen.

    Zum nächsten Termin wurden ein Drehplan und ein Storyboard für den echten Erklärfilm erstellt, der dann innerhalb von 2 Stunden mit einem Kollegen von der Abkantbank in der Produktionshalle gedreht wurde. Den Ton nahm das Team im Anschluss in einem Besprechungsraum auf – in der Halle wäre es zu laut gewesen. Es folgten ein Brainstorming für das Intro des Videos und ein weiterer Termin zur Nachbereitung / Schnitt des Films. Auch über die Benennung der Videoschnipsel / einzelnen Filmsequenzen machte sich das Team Gedanken, denn für spätere Videos sollte alles Material weiter zur Verfügung stehen bzw. schnell zu sichten sein.